Gestern Abend erschien auf der AfD- nahen Newsseite “Info-Direkt” ein Bericht über Franz Schmid. Dort gibt dieser an Kurt Hättasch in der Untersuchungshaft besucht zu haben.
Kurt Hättasch ist mit 7 anderen Personen angeklagt wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens und weiterer Anklagepunkte. Es geht um den Prozess gegen die „Sächsischen Separisten“.
In Chats soll der Rädelsführer der Gruppe laut Medienberichten auch von einem „Holocaust“ geredet haben, mit dem Ostdeutschland von Einwanderern gesäubert werden müsse. Sie hatten sich bereits Ausrüstung besorgt: Tarnanzüge, Gefechtshelme, Gasmasken und Schutzwesten.
In dieser Kurzmeldung wollen wir beleuchten:
- Was sind die Sächsischen Seperatisten?
- Wer ist Kurt Hättasch?
- Einschätzung: Warum solidarisiert sich Franz Schmid mit Hättasch?
Was sind die Sächsischen Seperatisten?

Den acht Männern im Alter von 21 bis 25 Jahren und wird von der Generalbundesanwaltschaft folgendes vorgeworfen:
„Die Beschuldigten gehören einer spätestens im November 2020 gegründeten Vereinigung an, die sich selbst „Sächsische Separatisten“ nennt.
Hierbei handelt es sich um eine aus fünfzehn bis zwanzig Personen bestehende militante Gruppierung, deren Ideologie von rassistischen, antisemitischen und in Teilen apokalyptischen Vorstellungen geprägt ist. Ihre Mitglieder verbindet eine tiefe Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland.
Aus Sicht der Vereinigung steht außer Zweifel, dass Deutschland vor dem „Kollaps“ steht und an einem, wenngleich zeitlich noch unbestimmten „Tag X“ der staatliche und gesellschaftliche Zusammenbruch eintreten wird.
Bei dieser Gelegenheit möchte die Gruppierung mit Waffengewalt Gebiete in Sachsen und gegebenenfalls auch in anderen ostdeutschen Ländern erobern, um dort ein am Nationalsozialismus ausgerichtetes Staats- und Gesellschaftswesen zu errichten. Unerwünschte Menschengruppen sollen notfalls durch ethnische Säuberungen aus der Gegend entfernt werden.„
Pressemitteilung der Generalbundesanwaltschaft vom 05.11.2024
Mehrere der Mitglieder sind offensichtlich neonazistisch eingestellt. Dies ist aus diversen Medienberichten sowie Berichten von zwei ausgestiegenen Personen deutlich zu entnehmen.
Am deutlichsten fallen dabei die Brüder Jörg und Jörn Schmianek auf. Sie sind die Söhne des verurteilten Neonazis Hans Jörg Schimanek Junior, der 1996 zu einer Hafstrafe wegen NS-Wiederbetätigung in Österreich verurteilt wurde. Ebenfalls Teil der Familie ist der FPÖ-Politiker und Großvater der Schimanek Brüder Hans Jörg Schimanek Senior. Im Rahmen der Ermittlung wurden zwei Wohnungen in Österreich, die ihm gehörten, durchsucht.
Ausführlichere Details zu der Gruppe finden sich in diversen Medienberichten, von der wir am Ende dieser Kurzmeldung eine Auswahl zusammengestellt haben.
Wer ist Kurt Hättasch?
Kurt Hättasch ist 1991 geboren und war jahrelang in der AfD aktiv. Er saß seit 2024 für die AfD im Stadtrat Grimma, war Schatzmeister der Jungen Alternative in Sachsen sowie Kreisvorstandsmitglied im AfD-Kreisverband Landkreis Leipzig. Er war angestellt als Mitarbeiter bei einem AfD Landtagsabgeordneten. Laut berichten der TAZ ist Hättaschs Frau die Tochter von Thomas Sattelberg, dem ehemaligen Anführers der verbotenen ‚Skinheads Sächsische Schweiz‘ („SSS“), einer brutalen neonazistischen Kameradschaft. Im Jahr 2019 reiste Sattelberg mit seiner Tochter für einen Besuch in die Ukraine, um sich dort mit neonazistischen Asow Vertreter zu vernetzen. Laut einer Doku von MDR Investigativ wurde Hättasch 2012 aus der Bundeswehr entlassen. weil “er Deutschland in den Grenzen von 1937 wieder wollte und Angriffe auf Asylbewerberheime verteidigt haben soll”. Laut Bundesanwaltschaft soll sich Hättasch kurz darauf, im August 2022, den „Separatisten“ angeschlossen haben.
Hättasch ist Jäger. Bei den Festnahmen und Durchsuchungen am 05.11.2024 wurde er angeschossen. MDR Investigativ hat folgenden Ablauf der Ereignisse rekonstruiert:
„Hättasch holt im Obergeschoss eines seiner sechs legalen Gewehre, lädt 5 Patronen. Unten verlässt seine Frau mit dem Kind das Haus, begibt sich zur Polizei. Hättasch ruft zum zweiten Mal die örtliche Polizei an und fragt ob sie auf dem Weg sei.
Er geht durch den Hinterausgang aufs Feld, mit der Waffe nach unten gerichtet. Laut Anklageschrift soll Hättasch mit entsicherter Waffe auf vier Polizisten zugegangen sein, ihren Aufruf nicht gefolgt sein und die Waffe gehoben haben um zum Schuss anzusetzen.
Daraufhin habe ein Beamter zweimal geschossen. Der AfD Mann wird schwer am Kiefer verletzt.„
Aus einer Doku von MDR Investigativ vom 27.01.2026
Hättasch wird daher als einziger der Angeklagten versuchter Mord vorgeworfen. Die Ermittlungen gegen den Polizisten, der auf Hättasch geschossen hat, wurden mittlerweile eingestellt.
Einschätzung: Warum solidarisiert sich Franz Schmid mit Hättasch?
Im Info-Direkt Bericht vom 19.03.2026 wird Schmid mehrfach direkt zitiert – wir ordnen hier einige seiner Aussagen ein.
„Wir kennen uns noch von Veranstaltungen der Jungen Alternative während unserer gemeinsamen Zeit dort. Gerade deshalb war es mir wichtig, ihn persönlich zu sprechen.“
Franz Schmid im Info-Direkt Beitrag vom 19.03.2026
Diese Aussage ist glaubhaft. Hättasch war Schatzmeister der Jungen Alternative Sachsen, Schmid war stellvertretende Landesvorsitzender der Jungen Alternative Bayern sowie Bundesschatzmeister der Jungen Alternative. Was Schmid hier außen vorlässt ist, dass er und Hättasch auch Veranstaltungen außerhalb der Jungen Alternativen gemeinsam besucht haben.
Am 10.04.2022 besuchten sowohl Hättasch und seine Frau, als auch Franz Schmid und Wolfgang Dröse die Frühjahresakademie des Instituts für Staatspolitik in Schnellroda.

Foto Quelle: Objektiv Ost

Foto Quelle: Objektiv Ost
Der Abgeordnete stellt mehrere offene Fragen: Warum werden junge Menschen, denen keine Gewalttat nachgewiesen wurde, öffentlich als potenzielle Terroristen eingeordnet, während linke Gewalttaten relativiert werden? Reicht ein bloßer Kontakt zu Personen, die „spätpubertären Schmarrn in Chatgruppen schreiben“, um zum Mitglied einer Terrorbande erklärt zu werden?
Aus dem Info-Direkt Beitrag vom 19.03.2026
Unsere Einschätzung ist: Hier verschiebt Schmid mit seinen rhetorischen Fragen den Rahmen dessen was tatsächlich den Sächsischen Seperatisten vorgeworfen wird ins Absurde. Im Kern der Vorwürfe geht es darum, dass im Novmber 2020 eine Vereinigung gegründet wurde, die sich selbst “Sächsische Seperatisten” genannt hat und jahrelang bestand.
Zwei Aussteiger schildern dem MDR Investigativ zu den Plänen der Gruppe folgendes:
“Wir haben dann bewusst den paramilitärischen Weg gesucht. Das war diese “Tag-X” Mentalität. Wir warten auf einen gewissen Umbruch, einen schwachen Moment in der Gesellschaft mit dem man quasi die Gesellschaft umdrehen kann. Grundsätzlich war das Ziel von Anfang die Erschaffung eines gemeinschaftlichen deutschen, nationalsozialistischen Staaten.“
“In einem kleinen Bereich vor allem in Brandis und Umgebung, im Falle eines Tag X, einfach als vorerst autonomes rechtes Gebiet beanspruchen. Einfach besetzen.”
“Auf jeden Fall deutsch, das es einfach eine Befreiung von Minderheiten geben – ja von Schwulen und Linken geben sollte.“
“Sie im Falle eines Tag X mindestens aus den besetzten Gebieten rauszujagen. Wenn nicht schlimmeres.”
“ Beziehungsweise sie einfach zu Erschießen – es ist ja nicht umsonst für den bewaffneten Kampf trainiert worden.“Aussagen von zwei Aussteigern in einer Doku von MDR Investigativ vom 27.01.2026
Die Generalbundesanwaltschaft äußerte sich am 05.11.2024 dazu folgendermaßen:
„Dazu absolvierten die Mitglieder – einschließlich aller festgenommenen Beschuldigten – wiederholt paramilitärische Trainings mit Kampfausrüstung. Dabei wurden insbesondere der Häuserkampf, der Umgang mit Schusswaffen, Nacht- und Gewaltmärsche sowie Patrouillengänge eingeübt. Überdies beschaffte sich die Gruppierung militärische Ausrüstungsgegenstände, so etwa Tarnfleckanzüge, Gefechtshelme, Gasmasken und Schutzwesten.“
Pressemitteilung des Generalbundesanwaltschaft vom 05.11.2024
Zu den genauen Funden bei den Hausdurchsuchungen ist bisher folgendes bekannt: “…wurden legale und illegale Schusswaffen, Bestandteile von Echtwaffen, Munition unterschiedlichen Kalibers, Airsoft-Waffen, militärische Ausrüstungsgegenstände und Sprengmittel in Form von nicht konformitätsbewerteter Pyrotechnik aufgefunden und sichergestellt.”
MDR Investigativ berichtet von einer “niedrigen zweistellige Anzahl an Schusswaffen, darunter mindestens eine Illegale”
„Ich habe den Eindruck, hier soll ein Unschuldiger mit harten Haftbedingungen und einer Kampagne fertig gemacht werden. Die politische Motivation für eine solche Kampagne liegt nahe.“
Franz Schmid im Info-Direkt Beitrag vom 19.03.2026
Schmid bläst hier in das gleiche Horn wie die extrem rechten medialen Gegenkampagnen. Einige einschlägige Szeneanwälte der Angeklagten, einzelne Akteure in der AfD wie Björn Höcke oder Christina Baum und das neofaschistische AfD-Vorfeld insbesondere die Sezession rund um Kubitschek, macht seit Monaten mobil.
Das fällt alles in den Zeitraum, wo Justiz und Staat nur wenige Details öffentlich machen, da das Verfahren noch ansteht. Mittlerweile hat der Prozess im Januar 2026 begonnen und ist mit 70 Verhandlungstagen bis Ende Dezember angesetzt.
Unser Fazit
Zu Franz Schmid ist vieles schon bekannt. Unterm Strich ist der 25- Jährige, der seit 2024 im bayrischen Landtag sitzt, eindeutig im völkisch-nationalistischen Flügel innerhalb der AfD zu verorten. Schmid macht daraus auch kein Geheimnis und geht offen damit um: Er steht hinter allem was Höcke sagt, nutzte schon vor der Enthüllung des Geheimkongresses in Potsdam den Remigrationsbegriff und steht der Identitären Bewegung thematisch wie personell so nah, dass eine Unterscheidung nicht mehr sinnvoll möglich ist.
Das sich Schmid nun mit einem Hättasch Besuch inszeniert, zeigt dass er konsequent die Linie “keine Distanzierung” zum gesamten extrem rechten Vorfeld lebt. Auf Schmids Veranstaltungen nehmen dementsprechend auch Neonazis der Kleinstpartei III. Weg oder von Voice of Anger Teil wie wir im Sommer letzten Jahres bereits berichteten. Gleichzeitig empört sich Schmid wenn er als extrem recht dargestellt wird. Erst am 12.03.2026 forderte er in einem öffentlichen Statment von der Konsequenzen von der CSU Neu-Ulm für eine Aussage eines CSU Mitglieds.
Die Aussage war folgende:
„Was hat ein Neonazi in unserer Demokratie schon zu fordern: nichts! Er soll sich mit seinen braunen Brüdern ins Nazi-Rattenloch verziehen … und am besten das gesamte Naziwählervolk dorthin mitnehmen! Unsere Demokratie braucht diese Spezies nicht …“
Schmid stellt damit innerhalb weniger Tage sehr gut beispielhaft da, wie neofaschistischen Propaganda aktuell funktioniert: Einerseits regt er sich öffentlich auf und baut Druck auf einzelne Politiker aus – wegen der Nutzung des Begriffs Neonazis. Andererseits besucht er nur wenige Tage darauf eine Person, die sich mit einer Schusswaffe sich der Polizei entgegengestellt hat, und die Teil einer Gruppe sein soll, die sich wortwörtlich mit SS abkürzt und nationalsozialistische Zonen etablieren wollte am „Tag X“.
Quellen
- 19.03.2026 – Info-Direkt Beitrag von Franz Schmid Besuch in der Wayback Machine
https://web.archive.org/web/20260320123328/https://www.info-direkt.eu/deutschland/afd-abgeordneter-franz-schmid-besucht-saechsischen-separatisten-in-u-haft
Auswahl an Medienberichten zu den Sächischen Seperatisten
- 07.11.2024 – Namen und Gesichter der sogenannten „Sächsischen Separatisten“ Recherche von Periskop
https://periskop.noblogs.org/post/2024/11/07/namen-und-gesichter-der-sogenannten-saechsischen-separatisten/ - 07.11.2024 – So nah standen die »Sächsischen Separatisten« der AfD Artikel vom Spiegel
https://www.spiegel.de/panorama/justiz/mutmassliche-terrorgruppe-saechsische-separatisten-so-trainierten-die-neonazis-den-haeuserkampf-a-25e74780-849b-4e0f-92e2-c1b71887ba92 - 10.11.2024 – Rechtsextreme „Sächsische Separatisten“Mit Terror und Trompeten Artikel in der TAZ
https://taz.de/Rechtsextreme-Saechsische-Separatisten/!6045443/ - 12.12.2024 – Rechtsradikal und kampfbereit: Wer sind die »Sächsischen Separatisten«? von SPIEGEL TV
https://www.youtube.com/watch?v=rwRXtGEUf54 - 13.01.2025 – „Sächsische Separatisten“ – Militante Rechte rüsten auf | Doku | exactly von MDR Investigativ
https://www.youtube.com/watch?v=vMwwod26iys - 13.02.2025 – Terror-Razzia gegen „Sächsische Separatisten“ Artikel im Antifaschistischen Infoblatt
https://antifainfoblatt.de/aib145/terror-razzia-gegen-saechsische-separatisten - 27.01.2026 – Die radikalen Pläne der „Sächsischen Separatisten“ – Neonazis vor Gericht | Doku | exactly von MDR Investigativ
https://www.youtube.com/watch?v=BvK-y50m9zU
Angaben der Justiz oder der Bundesregierung
- 05.11.2024 – Pressemitteilung der Generalbundesanwalt zu der Festnahme
https://www.generalbundesanwalt.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2024/Pressemitteilung-vom-05-11-2024.html?nn=2031572 - 13.11.2024 – Antwort der Bundesregierung auf eine mündliche Anfrage im Bundestag
Quelle: https://dserver.bundestag.de/btd/20/137/2013787.pdf - 22.11.2024 Antwort der Bundesregierung auf eine mündliche Anfrage im Bundestag
Quelle: https://dserver.bundestag.de/btd/20/138/2013868.pdf - 15.12.2025 Pressemitteilung zur Eröffnung des Hauptverfahrens gegen die „Sächsischen Seperatiusten“
Quelle: https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/1093399 - 21.03.2025 Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage zu den Ermittlungen gegen die Sächsischen Seperatisten
https://dserver.bundestag.de/btd/20/151/2015137.pdf

