Die AfD wächst.
Im Februar 2025 wurde die AfD bei der Bundestagswahl mit 10 Millionen Stimmen als zweitstärkste Kraft in den Bundestag gewählt. Laut Parteiangaben wachse die Mitgliederanzahl deutschlandweit stetig, die AfD Baden-Württemberg verkündet Ende 2025 um die 9.000 Mitglieder zu haben.
Dieser Trend ist auch in der Region Ulm feststellbar: In den letzten Jahren ist eine zunehmende Professionalisierung des AfD Kreisverbandes Ulm/Alb-Donau feststellbar. In Blaustein wurde ein erster Ortsverband gegründet und die Anzahl an Mandate und Veranstaltungen nimmt langsam zu.
Trotz dieser Entwicklung, hält sich die AfD in der Region Ulm sehr bedeckt – jahrelang wurde verheimlicht, wer genau im Vorstand des Kreisverbandes ist und bis heute werden viele der Veranstaltungen nicht öffentlich durchgeführt.
Wir haben dies und die kommenden Landtagswahlen am 08.03.2026 als Anlass genommen, einen genaueren Blick auf die lokalen Strukturen in Ulm und Umgebung zu werfen.
Ausgangspunkt war für uns diese Fragen:
- Wie organisiert sich die AfD in der Region?
- Welche Orte nutzt sie für Veranstaltungen?
- Welche Personen sind im Kreisverband aktiv?
- Wie positionieren sie sich politisch?
Die gesamte Recherche auf einen Blick

Wo trifft sich die AfD in der Region – Recherche zu Veranstaltungsorten und interaktive Karte
Unsere Einschätzung
Aus der gesamten Recherche ergibt für uns zusammengefasst folgende Einschätzungen.
Organisatorisch:
- Der AfD KV Ulm/Alb-Donau wächst und professionalisiert sich. Mehr Personen treten aktiv für die Partei auf und die Frequenz an Veranstaltungen und Wahlkampfsaktionen erhöht sich langsam aber stetig in den letzten Jahren
- Allerdings treten insgesamt immer noch relativ wenige Personen offen für den Kreisverband Ulm/Alb-Donau auf. So treten zum Beispiel einige der Vorstände sehr offen auf, andere halten sich eher bedeckt.
Veranstaltungen:
- Es finden unseres Wissen nach kaum Veranstaltungen im Stadtgebiet Ulm statt. Die Räume, die die AfD nutzt, sind fast ausschließlich im ländlichen Raum. Es gibt nahezu keine im Vorfeld öffentlich angekündigten Veranstaltungen. In den meisten Fällen muss man sich anmelden und sie werden sie, wenn überhaupt, nur kurzfristig öffentlich beworben.
- Bei der Raumsuche für Veranstaltungen scheint es Schwierigkeiten zu geben. Gegenprotest und öffentliche Thematisierung haben wiederholt zu Distanzierungen von Wirten und damit einhergehenden Raumverlusten für die AfD geführt.
Inhaltlich:
- Daniel Rottmann und Michael Scheffler, die zwei Direktkandidaten für die anstehend baden-württembergischen Landtagswahl am 08.03.2026, treten nach außen betont rechtskonservativ, wirtschaftsfokussiert und bodenständig auf. Trotzdem arbeiten sie eng mit Personen zusammen, die offen zum völkisch-nationalistischen Teil der AfD stehen. So kommt Daniel Rottmann zu einer Podiumsdiskussion am 08.01.2026 an der Universität Ulm in Begleitung von Nicolas Brickenstein, der jahrelang aktiv in der Identitären Bewegung war. Scheffler distanziert sich zwar oberflächlich vom Begriff der „Remigration“, stellt die Angst vor einem “Bevölkerungsaustausch” und damit eines der zentralen extrem rechten Narrative als “nachvollziehbar” da. Rottmann sitzt mit Brickenstein im Ulmer Gemeinderat und tritt mit dem extrem rechten Hardliner Franz Schmid von der AfD Neu- Ulm, zum Beispiel im Bundestagswahlkampf 2025, öffentlich auf. Scheffler sagt öffentlich, dass er Kontakt zu Schmid und Brickenstein hat und bezeichnet Brickenstein als eine Person die eine “grundsätzlich gesunde Einstellung” hat.
Die AfD Neu- Ulm rund um Franz Schmid tritt anders auf. Franz Schmid war das erste Mitglied des Landtags Bayern, dass vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Er tritt offen zum sog. „Vorfeld“ auf. Damit meint er unter anderem die Identitäre Bewegung. Im bayrischen Landtag spricht er offen von Remigrationsforderungen. Er ist damit selbst in der AfD Bayern einer der extrem rechten Hardliner. Somit kommt zuweilen auch ein Kader der Neonazikleinstpartei „Der III. Weg“ zu seinen Veranstaltungen.
Die AfD Ulm/ Alb- Donau versucht dagegen zumindest nach außen ein gemäßigteres „nur“ rechtskonservatives Bild zu geben.
Es lässt sich vermuten, dass das kein rein lokaler Unterschied der AfD Ulm und Neu- Ulm ist, sondern sich hier die unterschiedliche strategische Ausrichtung der AfD Baden-Württemberg und der AfD Bayern zeigt. Während die AfD in Baden-Württemberg versucht mit einem konservativ-bürgerlichen Auftreten seriös zu wirken und so vorallem wirtschaftsliberale bis konservative Millieus zu erreichen, ist tritt die AfD in Bayern inhaltlich offen völkisch-nationalistisch und kalkuliert aggressiv und provokativ auf. Das Ziel der AfD Bayern scheint damit mehr, die stark etablierte CSU Wählerschaft noch weiter nach rechts zu radikalisieren und für sich zu gewinnen. Dafür betonen sie regelmäßig, dass die CSU der AfD programmatisch nur „hinterherlaufe“ – die AfD ist sozusagen das Original.
Das wirkt insbesonders in der Grenzregion Ulm und Neu-Ulm absurd:
- In Neu- Ulm stellt sich die AfD um Franz Schmid als offene Höcke Hardliner, Identitäre Bewegung- Fans und mit “Remigration ist Wahlversprechen” Rethorik dar.
- Im Ulm inszeniert sich die AfD rund um Daniel Rottmann, Andreas Härtel und Michael Scheffler als bodenständige, nette Christen, die eine “80 Prozent inhaltliche Übereinstimmung mit der CDU” habe.
Ob der ideologische Unterschied tatsächlich so groß ist, würden wir stark in Frage stellen. Das lässt sich von außen allerdings nur vermuten. Daraus lässt sich allerdings ableiten, dass das der AfD Ulm/Alb-Donau bemüht ist nicht mehr in interne Konflikte öffentlich auszutragen. Das war noch vor wenigen Jahren anders.
Der Fokus der AfD Ulm/ Alb- Donau scheint auf dem Partei- und Strukturaufbau und damit auf der Betonung von Gemeinsamkeiten und keine gegenseitige öffentliche Abgrenzungen oder Kritik zu liegen. Darunter können sich nach außen unterschiedlichen Personen offenbar vereinen – von christlich-fundamentalistischen Berufspolitikern wie Daniel Rottmann, Neueinsteiger Michael Scheffler zu dem jahrelangen identitären Aktivist Nicolas Brickenstein.
Damit ist auch die AfD Ulm/ Alb- Donau, wenn auch in kleinem Rahmen, ein Beispiel für die sogenannte „Mosaikrechte“.
Quellen
Unsere Recherche umfasst einer großen Anzahl an Aussagen, Zitaten, Veranstaltungen, Veröffentlichungen und weiteres. Wir haben über 100 Bilder, Screenshots und Grafiken in den Beiträgen verwendet und fast 10.000 Wörter geschrieben. Bei Interesse teilen wir auf Nachfrage gerne Details und Belege zu einzelnen Aspekten.
Wir bedanken uns bei allen, die sich mit Hinweisen bei uns gemeldet haben.





