Am 02. Mai 2026 fand in der Stadthalle Weißenhorn zum vierten Mal eine Veranstaltung der AfD Neu-Ulm statt. Dieses Mal hat der Kreisverband um Franz Schmid, Aron Pielka, der unter dem Pseudonym „Shlomo Finkelstein“ als rechter Internettroll bekannt ist, eingeladen.

Der Redner Aron Pielka („Shlomo Finkelstein“) und der Moderator Nicolas Brickenstein

Bekannt wurde Pielka unter anderem durch Koran-Verbrennungen. Seine Inhalte drehen sich um die Themenfelder der sogenannten neuen Rechten, insbesondere der Identitären Bewegung. Er zählt sich selbst zu “Martin Sellner Fraktion”, die Remigration an die vorderste Front stellt. 2020 wurde Pielka wegen Volksverhetzung verurteilt. Da er es mehrfach versäumte sich an die gerichtliche Auflagen zu halten, musste er schließlich 2024 bis 2025 eine Haftstrafe absitzen. Das löste in der extrem rechten Social Media Landschaft eine große Solidaritätskampagne aus. Bis heute wird Pielka als Opfer einer angeblichen staatlichen Repression inszeniert.
Aron Pielka ist sehr darauf bedacht sein Gesicht nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Er tritt in seinen Streams konsequent vermummt auf. Öffentliche Auftitte waren bisher selten. Dem Recherchekollektiv Exif gelang es Aron Pielka auf der Buchmesse der extremen Rechten im November 2025 in Halle erstmals abzulichten. Auch in Weißenhorn stand Pielka mit seiner weißen Sturmhaube auf der Bühne. Es gelang ihm jedoch auch hier nicht konsequent unerkannt zu bleiben. Das Bild, dass diesen Artikel oben bebildert, zeigt ihn an einem Seiteneingang der Stadthalle Weißenhorn, wie er in Richtugn des Gegenprotestes blickt.
Möglicherweise geschah die Einladung Pielkas durch den Ulmer AfD-Gemeinderat und langjährigen Aktivisten der Identitären Bewegung Nikolas Brickenstein. Brickenstein führte moderativ durch den Abend und stellte sich im Livestream vom AfD- Medienaktivisten Sebastian Weber („weichreiteTV“), der die Veranstaltung in Weißenhorn begleitete, als “patriotischer Steuerberater” vor. Neben dem Angebot Sebastian Weber als Steuerberater zu unterstützen, gab Nicolas Brickenstein auch an, dass er Aron Pielkas Steuerberater sei.
Es ist somit durchaus denkbar, dass der Kontakt der AfD Neu-Ulm zu Pielka über Brickenstein zustande kam. Brickenstein war in der Vergangenheit jahrelang bei der Identitären Bewegung Schwaben aktiv. Seine parteipolitische Karriere begann Brickenstein in der AfD Neu-Ulm und der Jungen Alternativen Schwaben. Er pflegt auch nach seinem Wechsel zum benachbarten Kreisverband enge Kontakte zur AfD Neu-Ulm. Brickenstein besucht und beteiligt sich regelmäßig Veranstaltungen und Infostände der AfD Neu-Ulm. So auch am 02. Mai 2026 in Weißenhorn, wo Nicolas Brickenstein die Moderation des gesamten Abends übernahm.
Der Veranstalter Franz Schmid
Franz Schmid, der gescheiterte AfD-Bürgermeisterkandidat in Neu-Ulm und Mitglied des bayrischen Landtags trat nach außen als Veranstalter auf. Die Veranstaltung in Weißenhorn ist die nun mehr vierte Veranstaltung von Franz Schmid in der Stadthalle. Nach den Gästen Maximilian Krah, Niklas Lotz und dem Joachim Paul (wir berichteten), lud er nun Aron Pielka ein. Schmid selber hielt auch eine kurze Ansprache auf der Veranstaltung. Franz Schmid gilt als extrem rechter Hardliner in der extrem rechten AfD Bayern. Er bekennt sich offen zum sogenannten „Vorfeld“ der Partei, damit meint er unter anderem die Identitäre Bewegung bis hin zu neonazistischen Organisationen. Dies wird durch die Einladung Pielkas, die Gäste und die organisatorische Hilfe durch ehemalige IB- Kader bei seinen Veranstaltungen klar. Besonders deutlich wurde dies kürzlich, als Franz Schmid auf seinen Social Media Kanälen ein Foto mit Martin Sellner, was er mit „Ein Abend unter Freunden – für Heimat und Remigration“ untertitelte, veröffentlichte.

Teilnehmer der Veranstaltung
An der Veranstaltung nahmen ungefähr 70 Personen teil. Die Veranstaltung selber begann mit einer Verzögerung, die laut den Rednern auch in der Schwierigkeit lag, nach Weißenhorn zu kommen und einen Parkplatz zu finden. Ein Faktor dafür dürfte der Gegenprotest vom Ulmer Bündnis „Klare Kante gegen Rechts“ sein. Dieser zog mit ungefähr 150 Personen in einer Demonstration bis zur Stadthalle Weißenhorn. Bei der extrem rechten Saalveranstaltung waren viele der anwesenden Personen von weiter weg angereist.
Robin Mengele
Neben Nicolas Brickenstein waren auch andere Personen mit Verbindungen zur IB Schwaben unter den Gästen. So nahm Robin Mengele, ehemaliger Kader der Identitären Bewegung Schwaben, an der Veranstaltung teil. Dieser war offensichtlich nicht nur reiner Gast sondern auch an der organisatorischen Durchführung der Veranstaltung beteiligt. Er dokumentierte die Veranstaltung mit seiner Kamera und räumte nach ihrem Ende u.a. die “Stolz-Fahnen” ein, die den Saal dekorierten.
Neben seinen Aktivitäten in der IB besuchte Mengele zumindest einmal ein Neonazi-Konzert in Memmingen, welches durch die Neonazi-Kameradschaft „Voice of Anger“ veranstaltet wurde.

Felix Marmor
Ebenfalls unter den Besuchern befand sich Felix Mamor. Auch Mamor bewegte sich in der Vergangenheit in den Kreisen der IB Schwaben. Im Rahmen dessen, war er zuletzt an einer versuchten Störung der Pride Ulm im Jahr 2022 beteiligt. Später war Felix Mamor durch Teilnahmen an Versammlungen der neonazistischen Kleinstpartei Der III. Weg aufgefallen. So nahm er Oktober 2022 an einem Aufmarsch der Kleinstpartei in Plauen und im Dezember 2022 an einer Kundgebung in Illerkirchberg teil.

AfD- Personal
Von der AfD Neu-Ulm nahmen neben dem Veranstalter und Landtagsabgeordneten Franz Schmid auch einige Kreisrats- und Stadtratsmitglieder teil, die seit der bayrischen Kommunalwahl Anfang März 2026 für die AfD in die Kommunalparlamente eingezogen sind.
Anwesend waren:
Phillip Krien, der für die AfD in den Stadtrat Neu-Ulm sitzt.
Marcel Patzke, der seit Jahren im Kreisverband aktiv ist und nun in den Kreisrat Neu-Ulm und in den Gemeinderat Elchingen eingezogen ist. Sebastian Walker, der im Gemeinderat Altenstadt sitzt.
Ebenfalls anwesend war Albert Fackler von der AfD Neu-Ulm. Er schaffte es nicht in den Kreistag Neu-Ulm gewählt zu werden.
Fackler ist in Ulm und Neu-Ulm seit der Corona-Pandemie einschlägig bekannt für seine Schilder, mit denen er aus dutzenden Versammlungen der Pandemieleugner und eben auch wiederholt an verschiedenen AfD-Veranstaltungen in Weißenhorn teilnahm.

Außerdem waren noch weitere AfD-Mitglieder und Funktionäre aus anderen AfD- Kreisverbänden unter den Gästen. Darunter waren unter anderem Wolfgang Dröse (Kreisvorsitzender AfD Ostallgäu), Paula Gulde (Vorsitzende der AfD Biberach) oder Stefan Jahnel (AfD Moosburg und gescheiterter Bürgermeisterkandidat in Moosburg). Die Kandidatur von Stefan Jahnel wurde vom Freisinger AfD-Kreisvorstand zurückgezogen, Jahnel hat eine Vergangenheit in diversen mittlerweile verbotenen neonazistischen Organisationen wie der Freiheitlichen Deutsche Arbeiterpartei (FAP) und der Nationalen Offensive . Auch gehörte er einst dem neonazistischen Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers (KAH) an.

Rechte Medienaktivisten
Die Veranstaltung wurde von zwei extrem rechten Medienaktivisten begleitet:
Der Betreiber des Youtube Kleinstkanal “Drunk Punk Junk” nahm an der Veranstaltung mit Pielka teil. Er nennt sich selbst “Foods” und bezeichnet sich als Vorfeldaktivist der AfD und als “stabiler Neurechter”. Neben seinen Online-Aktivitäten steht er offensichtlich der Identitären Bewegung in Bayern nah. So besuchte er einen Vortrag von Martin Sellner in Augsburg im August 2025, nahm an den Wanderung der IB in Bayern im September 2025 und im Juni 2026 teil. Auf seinem YouTube-Kanal kommentierte er die Veranstaltung in Weißenhorn sowohl davor als auch danach ausgiebig und gibt an an weiteren Veranstaltungen wie einer dritten IB Wanderung und zwei Festen von Franz Schmid gewesen zu sein.

Darüber hinaus wurde die Veranstaltung vom AfD Medienaktivisten Sebastian Weber, besser bekannt als WeichreiteTV, über YouTube gestreamt. Wenige Tage später wurde der Kanal von Weber gelöscht, scheinbar wegen eines Hackerangriffs. Somit ist der Stream nicht mehr öffentlich verfügbar, die Aufnahmen liegen uns uns jedoch vor.

Auffallend ist, dass die Beteiligung an der AfD-Veranstaltung mit Pielka lokal und regional eher zurückhaltend war. Generell gilt, dass die Veranstaltungen von Franz Schmid in Weißenhorn oftmals von überregionalen Anreisen unter anderem aus dem Allgäu und Augsburg geprägt sind. Dieser Trend war bei dieser Veranstaltung noch stärker ausgeprägt als bei den vorherigen Veranstaltungen.
Sonstige Besucher
Viele der Besucher wurden bisher nicht AfD Neu-Ulm Veranstaltungen gesichtet. Auch ist neu, dass sich mehrere der Besucher bei der Anreise vermummten. Möglicherweise eine Folge der speziellen Internetanhängerschaft, die Aron Pielkas Vortrag angezogen hat. Dieses Bild änderte die Innen- und Außenwirkung der Veranstaltung und war auch innerhalb der Halle immer wieder Thema. Teil des älteren AfD- Stammpublikum äußerte sich irritiert über die Vermummungen.
Neben einem gezeigten White Power Zeichen nahm einer der Besuchen in einem T-Shirt mit dem Aufdruck Pinochet-Tours an der Verastaltung teil. Dabei handelt es sich um eine Verherrlichung der Ermordung politischer Gegner (unter anderem Sozialist*innen und Linke) durch Augusto Pinochet, der Diktator Chiles zwischen 1973 und 1990 war.

Inhalte von Aron Pielka
Pielkas Vortrag zu dem Überthema „Brandmauer“ war größtenteils deckungsgleich zu einem Vortrag Anfang des Jahres in Berlin. Er sieht als große Gegenpole zur AfD “die Woken” und “die Westextremisten”. Mit “Woken” meint Pielka linke Strömungen, die einen identitätspolitischen Fokus haben und auf Gender, Sprache und Bestärken von gesellschaftlichen Minderheiten fokussiert sind. Mit “Westextremisten” meint er Personen, die fanatisch vom modernen Liberalismus überzeugt sind und diesen weltweit etablieren wollen – als Beispiele nennt er die CDU und den Axel Springer Verlag. Pielka spricht ebenfalls von feindlichen Institutionen wie dem Verfassungsschutz, die unter Kontrolle von AfD- feindlichen Gruppen seien und diese Institutionen gegen die AfD richteten.
Zur titelgebenden Brandmauer vertritt er zusammengefasst die Position, dass die AfD auf keinen Fall zu früh mit der CDU koalieren sollte. Die AfD soll vielmehr hinter der Brandmauer ausharren, bis sie aus einer stärkeren Position eine Koalition diktieren kann und damit harte Positionen durchbringen kann. Was Pielka befürchtet und ablehnt ist, dass Konservative rund um CDU und Springer die Brandmauer in die AfD hineinlegen und die Partei so innerlich spalten um mit den „biegsamen” AfD- PolitikerInnen gemeinsam zu regieren. Dies würde durch die Abgrenzung zu dem Vorfeld und dem rechtsaußen Teil der Partei erfolgen. Pielka richtet sich dementsprechend deutlich gegen AfD-Politker wie Rüdiger Lucassen und Maximilian Krah, die westliche Positionen vertreten oder innerparteiliche Kritik gegen Höcke und Remigration äußern.
Zum Verhältnis der AfD und ihrem sogenannten Vorfeld und wie diese sich strategisch zueinander verhalten sollten äußert Aron Pielka sehr konkrete Vorstellungen:
„Der Politiker normalisiert und verharmlost zeitgleich, macht es normal. Während der Aktivist polarisiert und neuen Raum eröffnet, den der Politiker im Erfolgsfall vom Aktivisten später wieder besetzen kann.“
Aron Pielka in seinem Weißenhorner Vortrag am 02.05.2026
Wie dieses ineinander spielen aussehen soll, macht Aron Pielka ganz konkret am Beispielthema Remigration fest:
„Die AfD fährt was Remigration betrifft, ja eigentlich eine relativ ähnliche Strategie wie ich, als jemand der nicht in der AfD ist, der Teil vom Vorfeld ist, eben mögicherweise die Freiheit habe auszuformulieren. Also man verwendet den selben Begriff, man schwächt ihn aber ab zu “es geht nur um die Abschiebung von Illegalen”. Wobei es nicht darum geht, dass es in Wirklichkeit darum ginge Staatsbürger einfach aus ihren Häusern zu schleifen, das ist nicht der Punkt.
Aber es ist natürlich eine Abschwächung zu sagen, es gehe nur um die Abschiebung von Illegalen. Ohne sich dabei aber von der Definition vom Vorfeld, der offensiveren Definition vom Vorfeld, der offensiveren Definition zu distanzieren. Also wird man direkt darauf angesprochen, nach dem Motto: Ja Martin Sellner sagt in seinem Buch (…) dass es das und das bedeuten soll und stehen sie auch dahinter oder meinen Sie das nicht auch damit?
Da würde der kompetente Politiker sagen: Ja wir haben das in unserem Programm so und so definiert. Und was irgendjemand anders dazu sagt, das weiß ich nicht. Grundsätzlich find ich die Arbeit von der IB und Martin Sellner gut, aber ja keine Ahnung was da in diesem Buch steht. Schauen Sie in unser Programm, wie wir das definieren.
Das ist unangreifbar und zweckdienlich. Das ist genau wie die Dynamik funktionieren soll.„
Aron Pielka in seinem Weißenhorner Vortrag am 02.05.2026
Später betont Pielka nochmal, dass er Remigration als absolut zentrales Kernanliegen sieht:
„Wenn Remigration nicht durchgeführt wird, dann wars das mit Deutschland. Dann wird es kein Deutschland mehr geben, das wieder erkennbar ist, spätestens in zwei drei Generationen.„
Aron Pielka in seinem Weißenhorner Vortrag am 02.05.2026
Als Beispiel zur Untermauerung dieser drastischen Ansage, zeichnet Pielka ein anektdotisches Bild: es sei angeblich beinah unmöglich Kitas zu finden, die einen Anteil von unter 50% von migrantischen Kindern haben.
„Das ist das komplette Kippen der ethnischen Dominanz zu unseren Ungunsten. Das ist am Ende dann das Leben unterm Stiefel für unsere Kinder und Kindeskinder. Entweder Remigration oder das.„
Aron Pielka in seinem Weißenhorner Vortrag am 02.05.2026
Vortragsabbruch wegen Unzufriedenheit im Publikum
“…. das falsche Publikum für diesen Vortrag ausgesucht…”
Aron Pielka auf der Bühne zum Saalpublikum am 02.05.2026
Aron Pielkas Vortrag wurde nach einer halben Stunde kurz unterbrochen – aus dem Publikum tönten laute Beschwerden, unter anderem von Albert Fackler. Der Vortrag sei zu monton, Pielka spreche zu schnell, man versteht nur die Hälfte und es sei überfordernd. Mehrere rechte Teilnehmende sprachen davon, dass vor allem ältere Personen den Vortrag nach und nach verlassen haben.
Nach einer Stunde wurde der Vortrag zuerst durch Nicolas Brickenstein abgebrochen und eine Fragerunde eingeläutet. Vorgeblich, weil die Zeit der Veranstaltung zu Ende ging, es ist jedoch anzunehmen, dass dies als Reaktion auf die Beschwerden geschah. In der Fragerunde kam es zu Nachfragen und Protest gegen das vorzeitige Ende. Brickenstein fragte in die Menge, ob der Vortrag weitergehen sollte und im Endeffekt lief der Vortrag noch weitere 30 Minuten.
Klartext bei der Fragerunde
Die Ideologie Pielkas und auch der Besucher der Veranstaltung wird in der Fragerunde zum Schluss besonders deutlich.
Frage zu Remigration von 13 Millionen Personen
„Du bist ja auch Fan der Remigration, wie ich mitgekriegt hab. Wir haben seit 2015 6 Millionen Muslime migriert und nochmal 6 Millionen Familiennachwuchs und 1 Million Ukrainer – ich würde mal gerne wissen von dir, wie du das anstellen möchtest die Leute rauszukriegen und wie du das finanzieren willst. Kurz angerissen.“
Nachfrage eines Besuchers der Veranstaltung. Der Besucher trägt ein „Pinochet- Tours“ Shirt.
„Also wen du reinkriegst, kriegst du auch wieder raus. Wer hinwandert, kann auch wieder zurückwandern. Und natürlich wenn es unter Zwang geschehen muss ist das noch eine andere Sache. Wobei es ja auch also die Anreisesysteme eine große Rolle spielen.
Der zweite Punkt, den ich kurz anreißen möchte: wenn das nicht möglich wär, dann hätten sie ja keine Angst davor. Dann müssten sie das ja nicht brandmarken, als rechtsextrem und keine Ahnung was für furchtbare Sachen. Dann könnte den das einfach egal sein und sagen : jaja Remigration macht ihr mal, mhm Remigration macht ihr dann – und trotzdem die Hand nach uns ausstrecken für eine CDU-AfD Regierung irgendwann. Aber sie haben panische Angst davor. Allein, dass sie panische Angst vor Remigration haben, zeigt das sie machbar ist.
Ja jetzt gibts verschiedene Ebenen. Ich will natürlich zum einen, das ist dann der etwas längerer Weg, du musst gleichzeitig an die Gerichte ran, während du halt erstmal natürlich, die die schon illegal sind alle rausschmeißt.
Was heißt, wie willst du das finanzieren – Zum einen kannst du natürlich Geld drucken, wie wir gerade gesehen haben. Das ist offenbar einfach möglich. Ich denke mit ähnlichen Paketen könnte man alles mögliche finanzieren, das rausschmeißen selber.Dann eben diesen ähm du musst an die Gerichte gleichzeitig ran, du musst gucken dass du die Gerichte umkrempelst soweit es irgend geht und eben dann nochmal an die Definition rangehst, wer überhaupt illegal hier ist – was jetzt nicht deutsche Staatsbürger betrifft – ich denke wenn halt die gesellschaftliche Stimmung und irgendwann auch Macht über die Situation, wie im akademischen Sektor und so sich gewandelt hat, dann wird das gar nicht dermaßen ungreifbar sein, auch da ran zu gehen. Und gleichzeitig, das transzendiert alles, das transzendiert ja sogar die Staatsbürgerschaft. Am wichtigsten: Du musst Anreize schaffen, dass die Leute hier gar nicht sein wollen! Also das sie einfach Deutschland einfach nicht als ein Land ansehen für die es sich (Applaus) für sie am meisten lohnt zu leben auf die Weise wie sie eigentlich zu hause gelebt haben, nur eben dann finanziert durch den deutschen Steuerzahler.“
(Applaus aus dem Publikum, Zwischenruf: “Wasser, Brot, Seife!”, weiterer Applaus)
Aron Pielka
Pielka zeigt in dieser Antwort auf, wie er sich die massenhaften Abschiebungen vorstellt. Er propagiert die Verschärfung der aktuellen gesetzlichen Regelungen des Aufenthaltsrechts und eine “Umkremplung der Gerichte.” Wie genau diese Neuregelung in seinen Augen gestaltet sein solle, darauf geht er nicht ein. Er lässt zu dem offen, wie er gegenüber der oft mitdisktutierten Ausweisung deutscher Staatsbürger, die nicht in sein rassistisches Idealbild des deutschen Volkes passen, steht. Er betont nur, dass über die Verschärfung des Aufenthaltsrechtes eine Ausweisung in diesen Fällen nicht möglich ist. Darüber hinaus, möchte er die Bedingungen, unter denen Geflüchtete in Deutschland leben noch weiter verschlechtern, dass Geflüchtete freiwillig ausreisen beziehungsweise. nicht mehr ins Land kämen. Dies wird vom Publikum mit Applaus gefeiert. Der Zwischenruf “Wasser, Brot, Seife!” kann als Vorschlag aufgefasst werden, was Geflüchtete vom deutschen Staat erhalten sollen. Dies ist, besonders vor dem Hintergrund des Arbeitsverbot für Geflüchtete, ein menschenunwürdiger und vor allem menschenrechtswidriger Vorschlag.
Frage zu Höckes wohltemperierter Grausamkeit und ICE Implementierung
„Und zwar Höcke hat am Anfang von wohltemperierter Grausamkeit halt gesprochen im Bezug auf Remigration. Klar da werden ekelhafte Bilder entstehen. Wie machen wir das besser machen wie in den USA wie ICE?„
Nachfrage aus dem Publikum
„Das wird euch schockieren, aber dazu könnte ich ausholen. ICE wurde natürlich viel zu schnell importiert, und das ist natürlich eine Finanzierungs- und eine Planungssache. Also wenn du plötzlich das Land übernimmst und du musst sofort liefern, dann musst du natürlich sehr schnell rekrutieren und die Leute auch in den Dienst bringen, das ist sicherlich ein Problem.
Aber ich denke das übergeordnete Problem war die Unterwürfigkeit gegenüber Soros und Co. Denn man darf nicht vergessen, die “Demonstranten” die erschossen wurden, “Demonstranten” in Anführungszeichen, die Leute die sich da in Autos gesetzt und die Straße blockiert haben. Der Fall von der Frau, die sogar versucht hat den Beamten anzufahren, in diese Richtung Gas gegeben haben, also eine gefährliche Situation erschafft hat.Diese Leute waren ja nicht einfach aus eigenem Antrieb da, sondern die waren da finanziert von Soros, Getty, Rockefellers und so weiter.
Das sind keine Verschwörungstheorien, sondern man kann sich die Finanzierung von ICE Watch öffentlich angucken. Das sind Klimaorganisationen wie “The solutions project” und NM350, die eben finanziert werden von gerade genannten Quellen, allen voran Soros. Und das ist eben fremdländliche Einflussnahme auf das, was in deinem Land passiert. Und ein normales Land würde sagen, ok alles klar, dann kappen wir sofort die Finanzwege. Wir frieren die Konten ein von allen die beteiligt sind, wir frieren die Konten von ICE Watch ein und wenn wir George Soros habhaft werden können, dann machen wir das.“ (Applaus)Aron Pielkas Antwort
Pielka diffamiert hier den Protest gegen die US-Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement), die seit dem erneuten Amtsantritt Donald Trumps massiv ausgebaut wurde und nun die meist finanzierte US- Strafverfolgungsbehörde ist. Dies hatte u.a. einen massiven Anstieg an Inhaftierungen sowie Abschiebungen in den USA zur Folge.
Diese hatten in Teilen der USA große Protest zur Folge organisiert unter anderem durch die Organisation ICE Watch. Pielka bedient sich hier ein typisches Muster von Verschwörungserzählungen, dass die Demonstranten alle gekauft seien. Auch die Menschen, die im Rahmen der Proteste durch ICE getötet wurden. Außerdem propagiert er, dass die angebliche ausländische Finanzquellen dieser linken Protestbewegung in den USA stillzulegen sei.
Frage zu Mitteln, die die AfD gegen ihre Gegner anwenden solle
Frage: sollte sich die AfD der selben Mittel bedienen, wie die, die gegen Sie angewand werden?
Frage aus dem Publikum der Veranstaltung in Weißenhorn
„Ich denke, darüber es nicht zu tun muss halt eine Verhandlung stattfinden. Also es macht keinen Sinn zu sagen: Ihr habt jetzt unsere Türen eingetreten für so und so viele Jahre und wir werden nicht einmal ein gewisses Maß an Autoritarismus gegenüber euch anwenden, wenn wir dafür nichts bekommen. Solange wir eben noch in diesem Mischverhältnis der Dominanzen sind, also solange es noch umstritten ist wer ist dominant in diesem Land und wir eben dann nur größere Kontrolle in diesem Fall über Judikative und über die Parlamente haben. Insofern denke ich, das ist sich zu erkaufen. Die Linken haben einen moralisch Anspruch auf gar nichts von uns. Die haben keinen moralischen Anspruch darauf, dass sie ruhig schlafen können, wenn wir an der Macht sind. Sie müssten sich das erkaufen, in dem sie uns Zugeständnisse machen und über die wird dann zu verhandeln sein.“ (Applaus)
Antwort von Aron Pielka
Pielka fordert hier konkret, politische Gegner mit Repressionen zu überziehen, sobald sie, damit meint er die AfD, an der Macht seien.
Unsere Einschätzung
Die Veranstaltung mit Aron Pielka war bereits die vierte AfD-Veranstaltung in der Stadthalle Weißenhorn. Wiederholt lud Franz Schmid Personen für seine Veranstaltungen ein, die am rechten Rand der ohnehin schon extrem rechten Partei stehen oder Personen des politischen Vorfeldes, wie zuletzt Niklas Lotz oder eben jetzt Aron Pielka, sind. Das ist kein Zufall, sondern innerparteiliche Strategie, um innerhalb der AfD Druck aufzubauen immer weiter völkisch-nationalistisch zu werden.
Zu Schmids Gästen zählen überregionale AfD- Funktionäre, (ehemalige) Mitglieder der Identitären Bewegung und zuweilen auch Personen mit Bezug zur neonazistischen Kleinstpartei „Der III. Weg“. Er schaft damit eine Art Wohlfühlzone für die Mosaikrechte in der Stadthalle Weißenhorn.
Dabei ist Schmid jedoch weiterhin erheblich von Anreisen von außerhalb abhängig. Nur wenige der Anwesenden bei der Pielka-Veranstaltung kamen aus Weißenhorn selbst. Das zeigen auch diverse Beschwerden über die Parkplatzsituation im Weichreite-Stream.
„Wir werden auch ein fünftes, ein sechstes und ein siebtes Mal nach Weißenhorn kommen.“
Franz Schmid in seiner Rede in der Stadthalle Weißenhorn am 02.05.2026
Franz Schmid kündigt offen an die Stadthalle Weißenhorn weiterhin als Location für Veranstaltungen zu nutzen. Das Ziel der Veranstaltungen wird offen benannt:
„Heute war Shlomo da, wir hatten schon Niklas Lodz da. Wir machen ganz viel mit dem Vorfeld. Uns ist ganz wichtig, das innerparteiliche Overtone Fenster da weiter aufzumachen.“
Franz Schmid im Interview mit Sebastian Weber am 02.05.2026
Solange die Stadt Weißenhorn keine Mittel ergreift ihn daran zu hindern, wird Weißenhorn weiter Austragungsort für extrem rechte Veranstaltung sein. Diese haben schon lange keinen lokalen oder regionalen Charakter, sie ziehen Personenkreise aus dem rechtsaußen Rand der AfD in Schwaben und Süddeutschland an.
Der Ton wird von mal zu mal rauer. Aron Pielka und auch Teile des Publikums waren überdeutlich in dem was ihnen vorschwebt: Remigration von Millionen von Menschen. Wer diese Millionen sein werden neben den “Illegalen” wird in dem Bild von Remigration als Kampf um die ethnische Dominanz ebenfalls deutlich. Offensichtlich meinen sie alle, die für Aron Pielka zur “falschen” Ethnie gehören.
Franz Schmid ist konsequent in seiner Unterstützung für das extrem rechte sogenannte Vorfeld der AfD. Dies zeigen die eingelandenen RednerInnen auf den Veranstaltungen in der Stadthalle Weißenhorn, die Gäste und nicht zuletzt Franz Schmid selber. Mit dem eindeutig positiven Bezug auf Martin Sellner tritt er immer deutlicher offen extrem rechts und völkisch-nationalistisch auf.
Wenn er das so weiterführt, ist es nur noch eine Frage der Zeit bis Martin Sellner in der Stadthalle Weißenhorn auftritt.
Quellen
- Diverse Videos von und über die Veranstaltung in Weißenhorn am 02.05.2026
- 08.12.2025: Artikel in der Süddeutschen Zeitung zur gescheiterten Kandidatur von Stefan Jahnel: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/freising/moosburg-kommunalwahl-afd-chaos-kandidatur-streit-jahnel-li.3351178
- 11.12.2025 Artikel von Exif-Recherche zu einer extrem rechten Buchmesse in Halle, wo Aron Pielka auftrat https://exif-recherche.org/?p=12923
- 11.12.2020 Strafbefehl vom Amtsgericht Köln:https://nrwe.justiz.nrw.de/ag_koeln/j2020/614_Ls_66_20_Strafbefehl_20201211.html
- 30.05.2002 Artikel von Endstation Rechts: https://www.endstation-rechts.de/news/fdp-ortsverband-im-internet-vertreten
