Seit mehreren Jahren findet Ende Juli bis Anfang August in Laichingen das Rock-Dein-Leben Festival statt. Besonders in seiner Anfangszeit wurde das Festival kritisiert für seine Auswahl an Bands, die von antifaschistischen Gruppen als „Grauzonen Musik“ kritisiert werden. Im Fokus der Kritik stand unter anderem Frei.Wild, deren Band Mitglieder in den 90er Jahren in der Neonazi Szene waren. Seit vielen Jahren distanziert sich die Band davon und nutzt an ihr geäußerte Kritik als Teil ihrer Inszenierung und um Reichweite zu generieren.
Am 09.08.2026 kündigte das Rock-Dein-Leben-Festival an, dass für ihr nächstes Festival 29-31.07.2027 die Band Weimar auftreten wird. Das sorgte Ende August für erste kritische Berichte in der Lokalpresse. Die Südwestpresse veröffentlichte am 26.08.2026 einen Artikel, worin sich auch ein bisheriger Besucher des Festivals kritisch äußerte. Der Hintergrund ist, dass eine Spiegel Recherche im Februar 2023 aufdeckte, dass hinter den anonym und maskiert auftretenden Musikern der Band Personen stehen, die jahrelang aktiv in neonazistischen Gruppen und Bands waren.
Da in der Südwestpresse die konkreten Inhalte der Spiegel Recherche und den Grad der Aktivität von mehreren Bandmitgliedern nicht im Detail stattfindet, wollen wir in dieser Kurzmeldung die genauen Vorwürfe vom Frühjahr 2023 darstellen.
Der Spiegel berichtet am 09.02.2023 folgendes:
“Ein Mitglied ist Konstantin P., 45 Jahre alt. Bei allem, was mit der Band zu tun hat, nennt er sich Till Schneider. Laut Behördenakten war P. Mitte bis Ende der Neunzigerjahre Mitglied der Dragoner, einer Neonaziband, die im Visier von Verfassungsschutz und Landeskriminalamt war. In ihren Texten leugnen die Dragoner den Holocaust und singen von den »Sechs-Millionen-Lügen«. Es geht um »die Diktatur der Demokratie« und den Plan, »Verräter standrechtlich zu exekutieren«. Ihr Streben, so tönt die Band, gelte »dem reinen weißen Blut«.
Ein anderer Bandkollege, Steffen P., der sich bei Weimar Kurt Ronny Fiedler nennt, war 2005 auf einem rechtsextremen Konzert in Andisleben, seine Daten wurden vom thüringischen Staatsschutz aufgenommen. Die Beamten notierten damals noch einen weiteren Namen: Christian P.
Christian P. ist heute 37 Jahre alt. Er kennt nicht nur das Weimar-Mitglied Steffen P. seit Längerem, sondern auch dessen Bandkollegen Konstantin P.: 2015 hat er mit ihm ein gemeinsames Album herausgebracht, als »Uncore United«. Einige Texte und Melodien ähneln denen von Weimar sehr.
Mitte der Nullerjahre war Christian P. immer wieder im Visier der Sicherheitsbehörden, weil er unter anderem illegal Waffen besessen und vertrieben sowie Neonazi-Propaganda verbreitet haben soll. Ihm wurde zudem die »Bildung bewaffneter Gruppen« vorgeworfen, die Behörden zählten ihn zum »Nationalen Widerstand Weimar«, einer Gruppe, die damals die bereits verbotene »Blood&Honour«-Organisation unterstützte. 2004 half er außerdem Ralf Wohlleben, dem inzwischen verurteilten Unterstützer des Neonazi-Netzwerks NSU, bei der Organisation einer Demonstration.
Holocaustleugnung und Gewaltfantasien
Zu der Zeit machte Christian P. auch schon Musik. 2002 veröffentlichte er eine CD unter dem Namen »Murder Squad«. Auf dem Cover ist ein Hakenkreuz zu sehen, in den Texten heißt es: »Die Deutschen kommen, ihr Juden habt Acht, denn eure Vernichtung wird zum Ziel uns gemacht.« Oder: »Kameraden steht auf, nehmt die Waffen zur Hand, gegen Bonzen und Juden, es geht um unser Land.« An anderer Stelle wird der Holocaust geleugnet: »Das Lager gab’s in Wirklichkeit nicht (…) das hat der Jud sich ausgedacht (…) damit er noch mehr Kohle macht«. 2005 wurde die CD als jugendgefährdend indiziert. Zahlreiche Indizien deuten darauf hin, dass Christian P. als Sänger ebenfalls Mitglied der Band Weimar ist, sein Name in der Gruppe: Richard Wegnar. Für geschäftliche Belange nutzt er offenbar weitere Aliasnamen, um seine Identität zu verschleiern.“
– aus dem Spiegel Artikel “Wie Universal demokratiefeindliche Rocker groß machte” vom 09.02.2023
Nach der Veröffentlichung des Spiegels reagierte Universal und beendete die bisherige Zusammenarbeit mit Weimar. Eine Tour wurde abgesagt, Musikvideos und Alben von Plattformen entfernt.
Wenige Tage später räumt die Band auf ihrer Facebook-Seite ein, dass die zwei Bandmitglieder Konstantin P. und Christian P. “von ca. 1998 bis 2008 Teil der rechtsextremen Szene in Thüringen” waren.
Das Rechercheportal Jena-SHK veröffentlichte wenige Tage danach auf Twitter (heute x) Infos, die Christian P. Neonazi Bezüge nochmal erheblich verdeutlichten:






Konstantin P. und Christian P. (im Bild mit Shirt von “Radikahl”) von #Weimar ziehen die “Aussteiger”-Karte – ohne ausgestiegen zu sein. Was uns dazu noch einfällt? Kontakte zu NSU-Helfer Wohlleben, Cover mit Hakenkreuzen und Zusammenarbeit mit Blood and Honour.
Die Vorgängerband v. Konstantin P., “Dragoner”, zählte zur militanten Naziszene und trat mit bekannten Rechtsrockbands auf, auch für Blood and Honour. Deren Jacken waren am 12.2.2000 beim Aufmarsch vom Thüringer Heimatschutz in Gera zu sehen.„Dragoner“-Gitarrist Sebastian Voigt war am 24.12.99 an Übergriff mit Gaspistolen auf Besucher*innen der besetzten Gerberstraße #Weimar beteiligt und wurde dabei von Antifaschist*innen dokumentiert. Christian P. zählte zum Umfeld des 2000 verbotenen Blood and Honour-Netzwerk. Mit dem Anführer der Thüringer Sektion, Ronny Linke aus Weimar, besuchte P. u.a. 2005 ein aufgelöstes B&H-Konzert in Wasungen. Noch Ende 2010 befasste sich die AAG Weimar mit P. Christian P. war außerdem in der “Braunen Aktionsfront” (BAF) Weimar aktiv, die ein Netzwerk unter Führung von u.a. NSU-Helfer Ralf Wohlleben bildete. In Wohllebens Handy fanden Ermittler 2011 gleich zwei Nummern von Christian “Pohli Weimar” P. Laut Spiegel gingen Konstantin P. und Christian P. von “Uncore United” zu Weimar über, offen rechte Texte inklusive. Warum “das nicht mehr mitmachen” kein Ausstieg ist, haben wir im Kontext des NSU Bereits ausführlich dargelegt: https://rechercheportaljenashk.noblogs.org/post/2021/10/04/jena-und-der-nsu-komplex-kontinuitaeten-und-fehlende-konsequenzen/
Vom 14.02.2023, veröffentlich auf https://x.com/Recherche_Jena/status/1625536992996999188
Und heute? Neonazis und ihr Verhältnis zu Weimar
Nach dem Spiegel Artikel und dem folgenden Bruch von Universal und anderen Geschäftspartnern mit Weimar, stellte sich die Band neu auf. Heute ist Sie kommerziell erfolgreich und thematisiert auch musikalisch die Aufdeckung ihrer Identitäten und neonazistischen Verstrickungen. Die Kritik an Textpassagen und offen rechten Inhalten, wie das Weimar im April 2026 ein Interview mit dem völkisch-nationalistischen AfD Politiker Björn Höcke teilt, wird von der Südwestpresse thematisiert.

Was fehlt ist, dass es eine Reihe an Berichten gibt über das aktuelle Verhältnis der neonazistischen Szene zu Weimar.
Einerseits werden Sie als Verräter betrachtet, wie ein Konzertbericht von “NS Heute” aus dem August 2025 zeigt.
Andererseits besuchen aktive Neonazis bis heute Weimar Konzerte – das zeigt nicht nur der “NS Heute” Artikel, sondern mehrere Berichte über Konzerte der Band.
Hier einige Beispiele:
- Limbach-Oberfrohna 2023 – Teilnahme von Ramona Naggert (alias “Runa”), Benajmin Moses (Freie Sachsen), Patrick Schröder (früher NPD, heute Heimat)
- Rügen August 2025 – Teilnahme von Philipp Neumann (Flak) und Hannes Ostendorf (Kategorie C). Die Ostsee Zeitung berichtet außerdem über „Runen-Tattoos, Hitler-Grüße und „Lügenpresse“-Geschrei“
- Erfurt Dezember 2025 – Teilnahme von Mitgliedern der „Jungen Nationalisten“, der „Heimat“ und des neonazistischen Medienkollektivs „Balaclava Graphics“ sowie Tobias Winter (Neonazi-Liedermacher „Bienenmann“). Der Bassist der Vorband Stonemann trat im Antifa T-Shirt auf, was für negative Reaktionen aus dem Publikum und einem Rauswurf aus der Band sorgte.
- Rügen August 2026 – Teilnahme von Hannes Ostendorf (Kategorie C) und Sven Krüger (Heimat), außerdem Kleidung von “Arayan Warriors Pommern”, Tshirts mit “White Race” und der Neonazi Band “Erschießungskommando”
Unsere Einschätzung
Kurz gesagt und polemisch ausgedruckt:
Weimar ist Frei.Wild auf Steroiden.
Nach einem heftigen Einschnitt durch die Recherchen des Spiegels, baute sich die Band wieder auf. Ganz a la Frei.Wild kann man sich in der Opfer Rolle suhlen und sich als starke Kämpfer gegen die Presse und einer riesigen Verschwörung gegen die eigene Band inszenieren.
Die Polarisierung treibt die Band im Zweifel auch gerne selbst an: Es werden Abmahnungen verschickt, wenn die Band kritisiert wird. Gegen Konzertabsagen wird sich zum Teil juristisch gewehrt.
Und trotz halbgarer Distanzierung und netter Fotos vor einem Banner das für Weltoffenheit steht, laufen bis heute auf den Konzerten bundesweit bekannte Nazis rum und werden neonazistische Szene Marken zur Schau getragen. Die Band könnte dagegen sehr einfach was tun – würde sich dann aber einen Anteil ihrer Fans vergraulen.
Ein klarer Unterschied zu Frei.Wild ist jedoch das Ausmaß an belegter neonazistischer Vergangenheit, die bis ins Umfeld des Nationalsozialistischen Untergrundes reichen. Dass die Bandmitglieder diese Vergangenheit erst verschwiegen haben und nun nach der Aufdeckung in ihren Liedtexten als eine Art Verschwörung gegen sich darstellen, wirkt schon fast absurd.
Bei der Auseinandersetzung mit der Band muss jedoch klar sein: Wie auch Frei.Wild profitiert Weimar finanziell erheblich von der Polarisierung um ihre Band. Daher passt Sie auch perfekt zum Rock-Dein-Leben Festival – der Vorverkauf läuft, laut eigenen Angaben, so gut wie noch nie.
ENGST über Weimar 2024
“Letztens war ich mit Sebastian, dem Sänger von MADSEN, bei einem WEIMAR-Konzert. Es gab ja einen großen Beef mit dieser Band, weil die ja so einen Nazi-Background haben. Und dann haben wir halt den Dialog gesucht und sind dann einfach in Berlin zu einem Konzert gefahren.
Wir waren vor dem Konzert da, haben uns mit der Band unterhalten, weil die Band die ganze Zeit im Vorfeld rumgejammert hat, „Ja, wir sind ja nicht mehr rechts und Pipapo und trallala.“ Dann haben wir gesagt, okay, alle sagen immer, man soll den Leuten auch eine Möglichkeit geben, rauszurutschen aus dem rechten Spektrum.
War am Ende totaler Quatsch, also die Band ist sowas von dermaßen hart rechts, das ist totaler Bullshit, was die da erzählen. Und Sebastian ist dann nach Hause gefahren und ich bin dageblieben und hab mich auf dem Konzert zwischen locker 700 oder 800 krassen Neonazis wiedergefunden.”
– Aus einem Interview von bleeding4metal mit der Band Engst vom 19.11.2024
NS-Heute über Weimar 2025
“Wer ist diese undurchsichtige, widersprüchliche Kapelle, die bei vielen Nationalisten beliebt ist, von Antifaschisten als „Fascho-Band“ tituliert wird, aber die ihre Gegner selbst als „Faschos“ bezeichnet?
Wer sind diese Leute, die gegen Corona-Zwangsmaßnahmen anschreien, gegen das globalistische System und die gekauften Marionetten von den Medien – und die zugleich in linksgrüner Propaganda-Diktion „Rassismus“, „Antisemitismus“ und „Homophobie“ den Kampf ansagen wollen?”
Aus einem neonazistischen Konzertbericht über einen Auftritt von Weimar im April 2025 in Lemgo
Ein bisheriger Rock-Dein-Leben Fans, der wegen Weimar nicht mehr zum Festival 2027 gehen wird
„In der Summe zeigt das ganz klar, wo sie politisch steht.“
(Anmerkung: gemeint ist damit u.a. der Post zum Höcke Interview)„Jeder macht Fehler, und wenn man sie dann bereut, ist das was anderes, als wenn ich mich hinstelle, Masken aufziehe, mich hinter mehr als fragwürdig gewählten Pseudonymen verberge, und nur einen kleinen Post hinterherschiebe“
Alex L. in der Südwestpresse am 25.08.2026
weitere Veröffentlichungen
- 25.08.2026 – Südwestpresse Artikel „Band „Weimar“ soll beim Laichinger Festival auftreten – warum diese polarisiert“
- August 2026 – Artikel in der Ostseezeitung über Weimar Auftritt in Rügen: „„Weimar“-Konzert auf Rügen: Viel Bier, Nazi-Klamotten und ein Seitenhieb auf Mark Forster“
- August 2026 – Artikel in der Ostseezeitung über Weimar: „Band Weimar auf Rügen, Neonazis auf Konzerten – Experten zweifeln an Distanzierung“
- 27.09.2024 – Rezension zum Album 1331 von Weimar auf Laut.de
- 12.02.2023 – Statment der Band Weimar nach der Spiegel Recherche auf Facebook
- Thorsten Hindrichs berichtet immer wieder über Weimar und Neonazis auf Weimar Konzerten auf seinem Bluesky Account
- Die Landtagsabegeordnete Katharina König-Preuss der Partei die Linken in Thüringen stellte diverse Landtagsanfragen zur Band. Aufrufbar sind diese u.a. auf ihrer Webseite
- Blog der antifaschistische Kampagne „nich-gut“ von 2019 gegen das Rock-Dein-Leben Festival in Laichingen (Wayback-Machine Link)
- Blog des antifaschistischen Festivals „Raus aus der Grauzone“ was 2022 und 2023 in Ulm als Gegenentwurf zum Rock-Dein-Leben Festival stattfand (Wayback-Machine Link)

